Update auf Ubuntu 11.10
Thomas | 23. März 2012Nach meinen schlimmen Erfahrungen mit Ubuntu 11.04, meiner Meinung nach die schlechteste Ubuntu-Version, die ich je kennengelernt habe, wollte ich nur noch schnell sehen, ob mein Rechner mit Ubuntu 11.10 überhaupt nicht mehr funktioniert, um dann auf Linux Mint umzusteigen.
Die Installation verlief alles andere als reibungslos. Anfangs sah es noch gut aus, bis dann der Bildschirm mit Streifen überzogen wurde und ich von der Installation überhaupt nichts mehr mitbekommen habe. Zu diesem Zeitpunkt habe ich erst einmal gewartet, bis die Festplatten-Leuchte keine Aktivität mehr anzeigte, in der Hoffnung, dass die Installation dann weitgehend abgeschlossen ist und ein Neustart vielleicht weniger riskant ist.
Vor dem Ausschalten habe ich noch einige Tastenkombinationen Strg+Alt+Fx ausprobiert und siehe da: irgendwo kam eine Meldung, dass der X-Server neu gestartet werden müsste. Und dann erschien auch wieder die Aktualisierungsverwaltung. Noch mal Glück gehabt – aber definitiv nichts für Linux-Einsteiger, die sich vermutlich spätestens zu diesem Zeitpunkt wieder Windows zurückwünschen.
Hier die Bildstrecke:
Nach Abschluss der misslungenen Installation war ich gespannt: was wird Unity wohl diesmal sagen, wenn schon unter Ubuntu 11.04 die Hardware angeblich nicht unterstützt war? Doch meine Installationsmühen wurden mit voller Auflösung belohnt. Keine Fehlermeldung zur Grafikkarte, nichts. Als wäre da nie ein Problem gewesen.
Der große Schreck dann jedoch nach der Anmeldung: Wo ist das Menü? Wo ist der Minimieren-Button? Wo ist der Schließen-Button? Warum kann ich jedes Programm nur noch einmal starten? Wie kann ich den neuen “Launcher” oder wie das Ding heißt so konfigurieren, dass er immer da bleibt? Warum muss man zum Umschalten der Arbeitsfläche jetzt zweimal klicken? Wo sind die Programme, die die letzten vier Jahre in Kategorien eingeteilt waren? Wie wechsle ich von einem Programm zum anderen? Wo ist Evolution?
Wenn man das Menü dann mal gefunden hat, stellen sich weitere Fragen: warum ist das Menü nicht mehr beim Fenster? Warum ist der Schließen Button mal links und mal rechts?
Doch mit etwas Mühe kann man einige Eigenheiten wieder in den Griff bekommen. Ich fange mal mit dem Menü an: das Menü lässt sich wieder dem Fenster zuordnen, wenn man auf der Konsole (irgendwie mein Lieblingswerkzeug) das indicator-appmenu entfernt.
apt-get remove indicator-appmenu
Zum Übernehmen dieser Einstellung muss man sich allerdings abmelden und wieder anmelden. Außerdem löst es noch nicht die sprunghaften Minimieren/Maximieren/Schließen-Buttons.
Evolution lässt sich nachinstallieren:
sudo apt-get install evolution
Und falls das aufgrund von defekten Paketen nicht klappt (wie in meinem Fall), dann tippt man beim Launcher ”paket” ein, startet die Synaptic Paketverwaltung und repariert das Paket evolution-common.
Beim Starten von Evolution will dieses die gespeicherten Nachrichten in ein neues Format (mbox nach maildir) konvertieren. Das klappte bei mir nur bedingt: bei 11 Email-Konten gab es keinen Posteingang mehr, vier weitere Email-Konten hatten zwar einen Posteingang namens INBOX, Nachrichten waren allerdings nur in den Unterordnern vorhanden – und das sind bei mir leider die wenigsten Nachrichten.
Beheben lässt sich dieser Zustand durch Abmelden und Wiederanmelden des entsprechenden Ordners. Dazu klickt man mit der rechten Maustaste auf das Konto, dann auf “Abonnements verwalten”. Im folgenden Fenster wählt man den Posteingang ab (sofern er überhaupt angemeldet ist) und wieder an. Jetzt ist der Posteingang wieder da.
Ein Doppelklick auf eine Email öffnet diese im neuen Fenster. Klickt man nun auf die Titelleiste von Evolution, kommt das Evolution Hauptfenster nicht in den Vordergrund. Ein Klick an eine andere Stelle führt zum gewünschten Ergebnis. Damit bin ich nicht zufrieden…
Auch nach zwei Wochen hatte ich mich noch nicht an die dünnen Scrollbalken gewöhnt, die so funktionieren, dass man zunächst über den Scrollbalken fährt, woraufhin die eigentlichen Scollbalken-Leiste erscheint. Um diese zu benutzen, muss man dann wieder ein Stückchen mit der Maus zurückfahren. Das ist sehr unnatürlich. Folgende Befehle haben Abhilfe geschaffen:
sudo echo "export LIBOVERLAY_SCROLLBAR=0" |sudo tee /etc/X11/Xsession.d/80-disableoverlayscrollbars
sudo apt-get remove liboverlay-scrollbar-0.1-0 overlay-scrollbar
Ein sehr seltsames Phänomen gibt es auch im Zusammenhang mit LibreOffice. Hat man ein anderes Fenster im Vordergrund und klickt dann auf das Menü von LibreOffice, so kommt das LibreOffice-Fenster nicht in den Vordergrund, sondern nur noch das Menü. Das wirkt alles so unfertig und nicht getestet.
Der Launcher lässt sich seltsamerweise nicht über ein Launcher-Settings Programm verändern, sondern über die Compiz-Settings. Die muss man jedoch auch erst einmal installieren.
sudo apt-get install compizconfig-settings-manager
Danach kann man im Launcher “Compiz” eingeben und dann die Einstellungen verändern und zwar vom Unity Plugin auf “Never”. Allerdings heißt never in diesem Fall nicht nie, sondern “nur dann nicht, wenn kein Fenster den Platz haben möchte”. Konkret bedeutet dies, dass das Menü beim maximieren von Fenstern oder beim Verschieben von Fenstern an den linken Rand dann doch wieder verschwindet. Was für ein Sch****…
Nach meinen Windows-Festplatten habe ich auch lange gesucht. Man findet sie im “Explorer” Nautilus Menü unter Gehe zu / Rechner. Will man Dateien zwischen zwei Ordnern kopieren, kann man in Ubuntu 11.10 nicht mehr einfach zwei Instanzen von Nautilus starten, sondern muss über Ctrl+N (oder Datei/Neues Fenster) ein neues Fenster öffnen.
Ein Klick auf “Persönlicher Ordner” öffnet auch nicht unbedingt den persönlichen Ordner, sondern holt lediglich ein bestehendes Nautilus in den Vordergrund. Welchen Ordner das gerade geöffnet hat ist Ubuntu ziemlich egal. Will man wirklich zum persönlichen Ordner, hilft Gehe zu / Persönlicher Ordner oder Alt+Pos1, was aber auf einem Lenovo Laptop eine ziemlich ungeschickte Tastenkombination ist, weil man dazu die Fn-Taste braucht.
Als ich auf mein Subversion Repository zugreifen wollte, musste ich feststellen, dass RabbitSVN nicht mehr funktioniert oder nicht mehr installiert ist. Für den Moment habe ich auf die Kommandozeile zurückgegriffen.
Was auch nicht mehr funktioniert, sind meine Tastenkombinationen, die ich mir mühsam eingerichtet habe. Ganz besonders ärgerlich ist, dass Windows+T jetzt den Trash (Papierkorb) öffnen, anstatt die Konsole. Ich frage mich wirklich, warum der Papierkorb eine eigene Tastenkombination braucht. In den vergangenen vier Jahren mit Ubuntu habe ich vielleicht sechs mal den Papierkorb geöffnet. Auch Windows+D (Desktop) funktioniert nicht mehr. Dafür gibt es im Launcher jede Menge neue Tastenkombinationen, mit denen man ein Programm starten kann. Die wiederum will ich aber gar nicht haben.
Die Windows-Taste allein öffnet wie neuerdings unter Windows 7 ein Feld zum Suchen von Programmen. Doch auch das verhält sich nicht so, wie ich es gern hätte. Einerseits wäre genug Platz, um 3 Reihen à 6 Symbole anzuzeigen – tatsächlich versteckt der Launcher jedoch eine Menge Einträge, so dass man immer noch zusätzlich auf den Eintrag “xx zusätzliche Elemente anzeigen” klicken muss, um das richtige Programm zu finden.
Weitere Recherchen ergaben, dass Compiz bei mir gar nicht wirklich aktiv war, sondern Metacity. Deshalb hat auch die Einstellung “Never” für den Launcher keine Wirkung gezeigt. Ein kleines Bash-Script (Quelle: Ubuntu-Forum) kann Compiz tatsächlich aktivieren. Allerdings hält das nur bis zum nächsten Neustart.
#!/bin/bash compiz --replace &
Andere Dinge, die mich nerven, aber für die ich wirklich keinen Nerv mehr habe, mich darum zu kümmern:
- Mit Launcher gestartete Programme starten sich manchmal im Hintergrund, manchmal gar nicht
- Alt+Tab funktioniert nicht, wenn man in der Topbar einen Menüpunkt geöffnet hat
- Fenster skalieren ist mit Ubuntu 11.10 extrem schwierig geworden (rechte untere Ecke treffen)
- Der Launcher ist manchmal unsichtbar (siehe Bild unten)
- Hin und wieder sind zwei Launcher übereinander (siehe Bild unten)
- Platzverschwendung durch großflächige Werbung im Software-Center (siehe Bild unten)
Nach 8 Wochen vergeblicher Mühe, Ubuntu 11.10 bedienbar zu machen, habe ich mich nun entschlossen, auf Ubuntu zu verzichten und stattdessen den Shootingstar Linux Mint auszuprobieren.


